Vista Nr. 8 September 2008
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Konsequenz nötig Die Behandlung setzt dreifach an Osteoporose ist kein unabwendbares Schicksal: Mit Calcium, Bewegung und Medikamenten wird der gefürchtete Knochenabbau gestoppt und die Bildung neuer Knochenmasse gefördert. Für den Erfolg wichtig sind Ausdauer und Konsequenz. «Wer die Osteoporose-Behandlung ernst nimmt und die ärztlichen Empfehlungen konsequent umsetzt, hat heute gute Chancen, den Knochenabbau mindestens stoppen zu können», sagt der Zürcher Osteoporose-Spezialist Markus Felder. Wer zudem mit der Therapie neue Knochensubstanz aufbauen kann, profitiert zusätzlich von einem kleineren Risiko für Knochenbrüche. «Nur schon wenige Prozente mehr Knochenmasse bewirken den Abfall der Frakturrate um 40 Prozent», erläutert der Facharzt. Schwindende Körpergrösse Die meisten Patienten kommen auf einen speziellen Osteoporose-Verdacht ihrer Hausärzte oder Gynäkologen für weitere Abklärungen in seine Praxis. Im persönlichen Gespräch prüft Dr. Felder, wie gross das Krankheitsrisiko ist. Ist das «Risikoprofil» erstellt, beginnt er die körperliche Untersuchung mit dem Messen der Körpergrösse. Ist der Patient vier oder fünf Zentimeter geschrumpft, deutet das möglicherweise bereits auf eine Osteoporose hin. Im Röntgenbild des Rückens erkennt der Facharzt dann, ob einzelne Wirbel als Folge einer Osteoporose eingebrochen sind. Ist das der Fall, wird noch die Knochendichte von Wirbelsäule und Oberschenkel gemessen. «Je nach Resultat kann ich Schlüsse über das Ausmass des Knochenschwundes ziehen. Ist beispielsweise die Knochendichte um mindestens zweieinhalb Einheiten geringer als der definierte Standardwert, heisst das, der Patient hat Osteoporose. In diesem Fall lasse ich noch verschiedene Blutuntersuchungen machen», so Felder. Die Resultate geben dem Arzt Aufschluss über mögliche spezifische Krankheitsursachen wie einem Mangel an Hormonen, Calcium oder Vitamin D. «Erst wenn ich alle Informationen habe, lege ich die Therapie für den Patienten fest.» Calcium allein genügt nicht Die Osteoporose-Behandlung basiert auf drei Pfeilern: Regelmässige Bewegung, täglich genügend Calcium und die Basisbehandlung mit Medikamenten. So kann der Knochenaufbau gefördert und auch der Abbau gebremst werden. Entgegen der weit verbreiteten Meinung genügt es nämlich nicht, nur den Knochenaufbau mit einer hohen Dosis Calcium aufzubauen. Grund: Ältere Menschen bauen schneller Knochen ab als sie überhaupt aufbauen können. Ausserdem haben Frauen in der Menopause in der Regel weniger Calciumrezeptoren im Darm und können dadurch das Knochenmineral weniger gut resorbieren. Für die Basisbehandlung mit Medikamenten werden heute gerne Bisphosphonate verschrieben. Sie hemmen die knochenabbauenden Knochenzellen, die Osteoklasten, und bremsen so den Knochenschwund. Bei einem Hormonmangel wird häufig auch mit Hormonen therapiert, bei Frauen in der Menopause vor allem mit Östrogenen. Auch sie hemmen den Knochenabbau. «Ich rate Frauen in der Regel jedoch nur zu einer Hormonersatztherapie, wenn sie auch unter starken Wechseljahrbeschwerden leiden. Allein zur Therapie der Osteoporose ist die Gabe von Ös-trogenen nicht angezeigt. Denn dazu ist das Risiko für Brustkrebs oder Herz-/Kreislauf-Erkrankungen zu gross», betont Dr. Felder. Zudem müsse eine Hormonbehandlung von einem Gynäkologen überwacht werden. Für die Osteoporose-Behandlung wird gelegentlich auch das Parathormon verschrieben. Es wird durch die Nebenschilddrüse in kleineren Mengen auch vom Körper selbst gebildet, hält den Calciumgehalt im Blut stabil und hemmt so den Knochenabbau. «Diese knochenabbaustoppende Wirkung haben Parathormon-Präparate allerdings nur, wenn sie nicht ständig eingenommen werden. Ansonsten fördern sie den Abbau. Daher wird das Nebenschilddrüsenhormon immer nur zeitweilig eingenommen», betont Markus Felder. Auch wird das Parathormon jeweils nur bei bestimmten Indikationen verschrieben, wie nach einem frischen Knochenbruch oder einer sehr kleinen Knochendichte. «Dies hat wirtschaftliche Gründe. Denn die Therapie mit Parathormonen beläuft sich schnell einmal auf Kosten von jährlich mehreren tausend Franken, während andere medikamentöse Behandlungsarten nicht einmal halb so viel kosten.» Vielversprechende Strontium-Präparate In der Schweiz noch in Zulassungsprüfung, in der EU aber schon seit einiger Zeit auf dem Markt, sind Strontium-Präparate. «Diese neuen Medikamente haben auf den Knochen eine aufbauende wie eine abbauhemmende Wirkung und eigenen sich hervorragend als Alternative für die Bisphosphonate», so Felder. Diese haben nämlich zwei Nachteile: Sie müssen in Tablettenform morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden. Zudem sind sie leichte Säuren. «Wegen ihrer letzteren Eigenschaft sind Bisphosphonat-Tabletten für Patienten mit Sodbrennen nicht geeignet. Denn sie verstärken die Beschwerden», sagt Markus Felder. Patienten mit Refluxproblemen erhalten Bisphosphonate daher meist als Injektionen verabreicht. «Gespritztes Bisphosphonat hat keinen Einfluss auf das Magenbrennen, kann dafür aber andere Nebenwirkungen haben, etwa Knochen- und Gelenkschmerzen oder zu Kiefernekrosen führen». Wegen dieses Risikos für Kiefernekrosen wird die Bisphophonat-Spritzen-Therapie vor Zahnbehandlungen wie dem Einsetzen von Zahnimplantaten jeweils unterbrochen. Therapie bis zum Lebensende Ob Hormone, Bisphosphonat-Tabletten oder -Spritzen: Für den Erfolg der Osteoporose-Therapie ist auf jeden Fall Ausdauer und Konsequenz unumgänglich. Nur bei regelmässiger und jahrelanger Medikamenteneinnahme kann der gefürchtete Knochenschwund in Kombination mit einer gesunden calciumreichen Ernährung und regelmässiger Bewegung gestoppt werden. «Wer unter Osteoporose leidet, muss sich also darauf einstellen, ein Fortschreiten der Krankheit bis zu seinem Lebensende zu bekämpfen», sagt Markus Felder. Manchmal kann die Behandlung für zwei Jahre oder länger ausgesetzt werden. «Das ist dann der Fall, wenn die Knochendichte unter der Therapie wieder zugenommen und sich die Osteoporose zu einer Osteopenie verbessert hat. Während der Therapiepause nimmt der Knochenschwund aber wieder zu und es entsteht meist eine neue Osteoporose. Heilen können wir die Krankheit nämlich nicht.» Wichtig ist für den Rheumatologen auch, dass in der Diskussion um die Osteoporose-Behandlung die Pensionäre in Alters- und Pflegeheimen nicht vergessen gehen. «Osteoporose kann lange keine Beschwerden machen. Kommt es aber zu einem Knochenbruch, so kann die Krankheit plötzlich starke Schmerzen verursachen. Mit einer entsprechenden Osteoporose-Behandlung können solche Frakturen oft verhindert werden.» Dossier-Übersicht
«Osteoporose» Bewust leben «Trotz Osteoporose voll Lebensfreude» Starke Knochen «Osteoporose lässt sich vorbeugen» Konsequenz nötig «Die Behandlung setzt dreifach an» Früh behandeln «Osteoporose wird oft unterschätzt» Zement im Wirbel «Schlüsselloch-Chirurgie bei Bruch» Naturheilkunde «Wichtige Akzente bei Osteoporose» Mehr Mobilität «Implantate stützen Wirbelsäule» Aktive Knochen «Bewegung stäkt die Substanz» OsteoSwiss «Ansprechstellen bei Osteoporosefragen» Kein Schicksal «Nützliche Infos zur Osteoporose» Osteoporose-Spezialist Markus Felder: «Wer die Therapie ernst nimmt, hat gute Chancen, den Knochenschwund zumindest stoppen zu können.» |








