Vista Nr. 8 September 2008
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Mehr Mobilität Implantate stützen Wirbelsäule Wenn die medikamentöse Behandlung nicht anschlägt und die Schlüsselloch-Chirurgie nicht in Frage kommt, raten Spezialisten bei Wirbelbrüchen zu einer grossen Operation. Dabei wird die Wirbelsäule mit Implantaten stabilisiert. «Meistens heilen Wirbelbrüche innert dreier Monate von selber. Aus diesem Grund kommen nur wenige Osteoporose-Patienten überhaupt unters Messer», sagt Chefarzt Dieter Grob vom Wirbelsäulenzentrum der Schulthess-Klinik in Zürich. Wird aber operiert, gewinnt der Patient meist an Lebensqualität: Er kann sich wieder besser bewegen und hat weniger Schmerzen. Für die Entscheidung «Operation: Ja oder Nein?» ist das Patientengespräch von zentraler Bedeutung. Dabei wird abgeklärt, wie gross die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen sind, aber auch wie der Patient lebt und welche Ansprüche er hat. Die meisten Osteoporose-Patienten sind im Rentenalter. Sind sie fit und wollen zum Beispiel noch Golf spielen, ist eine Operation eher angezeigt, als wenn sie nur noch zu Hause vor dem Fernseher sitzen. «Die genaue Klärung des Patientenbedürfnisses ist aber auch darum wichtig, weil eine grosse Rückenoperation in der Regel mehrere Stunden dauert und den Körper entsprechend stark belas-tet», erklärt Grob. Verschlimmerung verhindern Der Facharzt stellt die genauen anatomischen Veränderungen anhand von Röntgen- und Magnetresonanzbildern fest. «Sind die Schmerzen gross, der Rücken stark verkrümmt und vielleicht sogar der Nervenkanal durch die Fraktur eingeengt, schlage ich den Patienten manchmal eine grosse Rückenoperation vor. Sie kann nicht nur die Beschwerden lindern, sondern auch eine Verschlimmerung verhindern.» Bei der Operation selbst wird die Wirbelsäule mit Implantaten aus Titan -verstärkt. Dazu verankert der Wirbelsäulenchirurg spezielle Schrauben in die Bogenwurzel des Wirbels und befes-tigt daran speziellen Metallstangen. Diese richten die Wirbelsäule wieder auf, die Rückendeformation wird abgeschwächt und das Risiko für neue Wirbelbrüche gesenkt. Für die Operation ist viel Erfahrung nötig. Die Operationen bei Osteoporose gehören zu den komplexen Eingriffen an der Wirbelsäule. Neben Nerven- oder Rückenmarksverletzungen drohen Materialversagen und Lockerungen. An der Schulthess-Klinik werden diese Operationen nur von -spezialisierten Wirbelsäulenchirurgen durchgeführt. Spezielle Implantate bei weichen Knochen Ein spezielles Problem beim Osteoporose-Patienten stellen dessen weiche Knochen dar. «Sie machen es manchmal schwer, die Metallimplantate fest an der Wirbelsäule zu fixieren. Mittlerweile gibt es aber spezielle Schrauben mit einem Hohlraum. In diesen setzt der Chirurg während der Operation eine Zementplombe. Das stützt die Metall-implantate zusätzlich», so Grob. Meist kann der Patient bereits zehn Tage nach dem Eingriff wieder nach Hause entlassen werden. Nach etwa drei Monaten ist er in der Regel wieder so fit, dass er sich frei und ohne grosse Schmerzen bewegen kann. Die Implantate halten ein Leben lang. «Bei starker Osteoporose kann es allerdings an anderer Stelle eine neue Fraktur geben. Dann muss möglicherweise erneut operiert werden», sagt Grob. Dossier-Übersicht
«Osteoporose» Bewust leben «Trotz Osteoporose voll Lebensfreude» Starke Knochen «Osteoporose lässt sich vorbeugen» Konsequenz nötig «Die Behandlung setzt dreifach an» Früh behandeln «Osteoporose wird oft unterschätzt» Zement im Wirbel «Schlüsselloch-Chirurgie bei Bruch» Naturheilkunde «Wichtige Akzente bei Osteoporose» Mehr Mobilität «Implantate stützen Wirbelsäule» Aktive Knochen «Bewegung stäkt die Substanz» OsteoSwiss «Ansprechstellen bei Osteoporosefragen» Kein Schicksal «Nützliche Infos zur Osteoporose» Professor Dieter Grob hält das Patientengespräch und die Klärung der Patientenbedürfnisse vor einer Operation für zentral. |








