Vista Nr. 8 September 2008
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Aktive Knochen Bewegung stärkt die Substanz Sport spielt vom Kindesalter bis ins hohe Alter eine zentrale Rolle in der Osteoporoseprophylaxe. Und selbst bei bestehender Osteoporose ist Bewegung überlebensnotwendig, denn eine geschulte Koordinationsfähigkeit schützt vor Stürzen. Knochen brauchen Bewegung. Eine simple Aussage mit grosser Bedeutung – insbesondere für Menschen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko. Ähnlich wie der Muskelaufbau durch starke Belastung ausgelöst wird, reagiert auch der Knochen auf Belastung. Die Schläge, die bei Bewegung auf den Knochen einwirken, führen zu einer Mikrozerstörung in den Knochenbälkchen im Innern des Knochens. In der Folge baut der Knochen die Knochenbälkchen stärker und dichter auf, er wird stärker. Wie schnell sich der Knochen bei fehlender Bewegung abbaut, zeigt sich, wenn etwa das Bein nach einem Bruch ruhig gestellt werden muss. Nach wenigen Monaten im Gips zeigt das Röntgenbild einen nahezu durchsichtigen osteopenischen Knochen. Gratwanderung bei der Bewegungsintensität Doch kann man mit viel Sport einer Osteoporose vorbeugen? Walter O. Frey, Medizinischer Direktor vonmove> med – Swiss Olympic Medical Center Zürich: «Sport ist immer eine Gratwanderung zwischen zu starker und zu geringer Belastung.» Einerseits soll der Knochen belastet werden, damit er sich optimal entwickeln kann, andererseits kann zu viel Sport den Körper auszehren und zu einem Ermüdungsbruch führen. Auch die Wahl der Sportart ist nicht ganz einfach: Schwimmen an sich stärkt die Knochen aufgrund der fehlenden Schlageinwirkung kaum, ist aber immer noch besser, als gar keinen Sport zu treiben. Es wird Muskulatur aufgebaut. Auch Krafttraining ist diesbezüglich hilfreich. Möglicherweise führt der am Knochen ziehende Muskel trotzdem zu etwas Knochenaufbau. Mit Sicherheit jedoch verleitet die durch Krafttraining gewonnen Kraft dazu, sich mehr zu bewegen. Sportarten, die dem Körper leichte Schläge versetzen, wie etwa Joggen, Ballspiele, Aerobic oder Tanzen, sind ideal für die Knochen, wirken sich aber negativ auf die Gelenke aus. Auch sie werden durch plötzliche Belastung leicht verletzt und können sich aber nicht so schnell daran anpassen wie die Muskeln oder die Knochen. Walter O. Frey rät deshalb zu einem langsamen Trainingsaufbau und polysportivem Freizeitverhalten. «Wer abwechselnd joggt und Rad fährt, fördert Gelenke und Knochen. Er richtet sicher nie Schaden an.» Knochenwachstum in der Kindheit Da sich der Knochen im Kindesalter sehr stark entwickelt und bereits Mitte zwanzig die höchste Knochendichte erreicht, hat das Bewegungsverhalten in der Kindheit einen grossen Einfluss auf die Knochendichte im Erwachsenenalter. Ein Sportprogramm im Kindesalter aber ist für Kinder, die sich in der Natur ausreichend bewegen, im Freien spielen und den Schulweg zu Fuss absolvieren, nicht notwendig. Walter O. Frey weist darauf hin, dass ein Übertraining im Kindesalter eher – etwa bei zu intensivem Kunstturnen – lokal sogar zu Ermüdungsfrakturen führen könne. Eine grosse Bedeutung in der Kindheit für die Knochen hat die Ernährung. Für den Aufbau von Knochensubstanz in der Jugend ist es wichtig, dass dem Körper ausreichend Baustoffe – Calcium und Vitamin D – zur Verfügung stehen. Und dies vor allem vor der Pubertät. Zur gesunden Ernährung von Kindern und Jugendlichen gehören dazu täglich mehrere Portionen Milchprodukte sowie Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel. Essstörungen in der Kindheit können verheerende Folgen haben. Sie führen dazu, dass bereits Teenager an Osteoporose leiden. Im Erwachsenenalter kann dieser Schaden nicht mehr wettgemacht werden. Stürze vermeiden als zentrales Ziel von Koordinationstraining Zurück zum Sport: Während in der Jugend und im Erwachsenenalter die Bewegung im Sinne der Knochenbelastung im Zentrum der Osteoporoseprophylaxe steht, nimmt im Alter und bei Betroffenen die Sturzprophylaxe einen hohen Stellenwert ein. Denn: Ein Oberschenkelhalsbruch im Alter von über 70 Jahren erhöht das Risiko für Sterblichkeit innerhalb der nächsten zwei Jahre stark. Der Grund: Die durch den Bruch verursachte Bewegungsunfähigkeit kann den Organismus in einen Teufelskreis von weiteren Erkrankungen führen. Es entstehen unter anderem Thrombosen, die Herz-Kreislauf-Ereignisse hervorrufen, die schliesslich zum schnellen Tod führen können. Walter O. Frey: «Bewegung aktiviert bestimmte Gene, die eine zentrale Bedeutung für unsere Gesundheit haben. Fehlt die Bewegung, bleiben sie inaktiv, unser Körper wird krank und kränker. Bewegung ist der Schalter für Gesundheit und langes Leben.» Der Spezialist empfiehlt allen Menschen über 60 regelmässig die Koordination zu schulen, um verhängnisvolle Stürze zu vermeiden. Entsprechende Übungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Beim Waldspaziergang auf Baumstämmen oder niedrigen Mauern balancieren, oder auch mal das Rückwärtsgehen versuchen – für Kinder alltägliche Bewegungen, die bei fehlender Übung aber im Alter schnell verlernt werden. Betroffene beim Sport fachlich unterstützen Für Osteoporose-Betroffene gibt es nicht die ideale Sportart. Im move > med-Zentrum stellt Walter O. Frey nach vorgängiger medizinischer Abklärung eine medikamentöse Therapie und ein individuelles Bewegungsprogramm zusammen. «Ein Patient mit fortgeschrittener Osteoporose kann bereits beim Joggen einen Knochenbruch erleiden. Ein anderer muss vielleicht sogar Joggen, aber in einem anderen Rahmen, kombiniert mit Velofahren.» Das move > med-Team nimmt auch Rücksicht auf individuelle Vorlieben. Damit ein Patient sein Hobby weiter ausführen kann, nehmen die Experten nicht selten mit dem Sportverein oder dem Trainer Kontakt auf. Die fachliche Begleitung beim Training ist besonders zu Beginn wichtig und wird von Osteoporosepatienten geschätzt. Der Sportexperte Walter O. Frey empfiehlt allen, sich zum Wohle der Gesundheit täglich eine Stunde zu bewegen. Wer sportliche Ambitionen hat, trainiert am besten drei Mal pro Woche, immer dem persönlichen Gesundheitszustand angepasst – und nicht nur dem der Knochen. Dossier-Übersicht
«Osteoporose» Bewust leben «Trotz Osteoporose voll Lebensfreude» Starke Knochen «Osteoporose lässt sich vorbeugen» Konsequenz nötig «Die Behandlung setzt dreifach an» Früh behandeln «Osteoporose wird oft unterschätzt» Zement im Wirbel «Schlüsselloch-Chirurgie bei Bruch» Naturheilkunde «Wichtige Akzente bei Osteoporose» Mehr Mobilität «Implantate stützen Wirbelsäule» Aktive Knochen «Bewegung stäkt die Substanz» OsteoSwiss «Ansprechstellen bei Osteoporosefragen» Kein Schicksal «Nützliche Infos zur Osteoporose» «Sport fördert die Gesundheit der Knochen», sagt Walter O. Frey, Medizinischer Direktor von move > med. |








